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Am Teufelsteich 4

Anschrift (heute):
Am Teufelsteich 4
Flurstück (heute):
Gemarkung Peitz, Flur 7, Flurstücke 121 (841.9 m²), 123 (1280.4 m²), 642 (5273.5 m²), 763 (188.6 m²), 764 (27750.6 m²), 765 (249.6 m²)
Kurzbezeichnung:
GRÜNDER/ FRANCKE
Gründung:
1892
Firmengründer:
Hermann GRÜNDER
Produktionsprofil:
Spinnerei, Reißwollfabrik, Färberei, Textilrecycling
Umfirmierungen:
1892 Hermann Gründer & Co. (3. Standort)
1894 Gründer & Co. Tuchfabrik u. Kammgarnspinnerei KG
1913 Lausitzer Wollwerke Francke & Co. GmbH Kunstwollfabrik mit Färberei
1936 Lausitzer Wollwerke Francke & Co. Reißwollfabrik
1959 Lausitzer Wollwerke Francke & Co. mit staatlicher Beteiligung
1972 VEB Lausitzer Wollwerke
1990 Lausitzer Wollwerke GmbH
1991 Lausitzer Wollwerke Francke und Co. KG
Niedergang:
09.07.1991 Lausitzer Wollwerke GmbH
Lausitzer Wollwerke Francke und Co. KG existiert noch
heutige Nutzung:
Lagergebäude, Werkstatt, Industriepark
 
Lagebild_2

Beschreibung/Erläuterungen:

Im Jahr 1892 errichtet hier Hermann GRÜNDER seine 3. Peitzer Tuchfabrik (Standort Georgenhof in der Kurzen Straße 1). Nach seinem Tod wird die Fabrik ab 1894 durch seine Söhne Julius und Bruno bis 1906 fortgeführt. Zwischen 1892 und 1906 entsteht auch der Standort Teufelsteich 4 als eine GRÜNDER'sche Fabrik-Erweiterung. Die Firma geht jedoch 1906 in Konkurs und steht dann einige Zeit leer.

Im Jahr 1912 ersteigert der aus Cottbus stammende Paul FRANCKE die GRÜNDER'schen Fabriken am Teufelsteich 4 und in der Kurzen Straße 1. Zusammen mit seinem Bruder Hermann gründet er am 16.04.1913 oder am 23.09.1913 die Lausitzer Wollwerke Francke & Co. GmbH. /4/

Am 31.12.1936 erfolgte eine Umwandlung der "Lausitzer Wollwerke GmbH Kunstwollfabrik mit Färberei" in die "Lausitzer Wollwerke Francke & Co. Reißwollfabrik". Die Umfirmierung erfolgte wahrscheinlich aus steuerrechtlichen Gründen. /4/

Am 31.12.1938 wurde ein Unterstützungsverein der Angestellten und Arbeiter der Lausitzer Wollwerke Francke & Co. beim Amtsgericht Peitz eingetragen. Der Verein stellte sich zur Aufgabe, Betriebsangehörigen der Lausitzer Wollwerke Francke & Co. in unverschuldeten Notfällen eine Unterstützung zu geben und bei eintretendem Sterbefall der Betriebsangehörigen den Witwen und Waisen ein einmaliges Sterbegeld zu gewähren, sofern sie sich in einer Notlage befanden. Mitglieder wurden alle Betriebsangehörigen nach einer einjährigen ununterbrochener Betriebszugehörigkeit. Mitgliedbeiträge wurden nicht erhoben. Die erforderlichen finanziellen Mittel wurden von der Firma dem Verein zur Verfügung gestellt. /4/

In der Nacht vom 5. zum 6. Dezember 1942 brannte das Hauptgebäude mit allen Büroräumen nieder. Der Schaden war durch die Feuerversicherung abgedeckt. Betriebsräume waren nicht oder nur wenig betroffen. /4/

Bis zum April 1945 wurde die Produktion aufrecht erhalten. Peitz wurde am 25.04.1945 von der Roten Armee besetzt. Danach ruhte das Geschäft offensichtlich bis Ende 1945 um im Januar 1946 wieder aufgenommen zu werden. /4/

Am 29.05.1959 nahmen die Lausitzer Wollwerke Francke & Co., Peitz, die Deutsche Investitionsbank, Berlin unter Fortführung der bisherigen Firma ab 01.07.1959 als Gesellschafter auf. Der Kommanditist Deutsche Investitionsbank leistete eine Einlage in Höhe von 289.000 DM. Die Kapitaleinlagen der 14 privaten Gesellschafter betrugen entsprechend 1. Nachtrag zum Gesellschaftsvertrag vom 17.10.1961 in Summe 534.000 DM. Als Zweck der Gesellschaft wurde genannt: "... die Herstellung von Reisspinnstoffen und Polsterwolle, sowie die Herrichtung von maschinenfertigen Lumpen." Der private Betrieb lief damit unter einer staatlichen Beteiligung weiter. /4/

Am 31.05.1972 wurde der Betrieb volkseigen und unter dem Namen VEB Lausitzer Wollwerke Peitz fortgeführt. Der bisherige geschäftsführende Komplementär Dr. Kurt FRANCKE (*01.04.1908) wurde stellvertretender Direktor und Werner GRÖGER wurde Direktor. /4/ Das änderte sich zum 01.09.1973. Dr. Kurt FRANCKE schied als stellvertrender Direktor aus und war bis zum 31.12.1974 mit 70 h/Monat und 400 Mark Gehalt nur noch geringfügig beschäftigt. Später schied er ganz aus dem Betrieb aus.

Werner SCHRECK wurde am 01.04.1978 Technischer Leiter und am 01.01.1979 Direktor. Frank MINGE wurde wahrscheinlich 1979 stellvertretender Direktor.

Der Betrieb hatte nach 1945 65-140 Beschäftigte. Einige Jahre wurde 2-schichtig gearbeitet.

1981 wurde eine ausgemusterte Dampflokomotive 52 80 70 - 6 als Ersatz für die ausgefallene betriebliche Heizanlage angeschafft. Diese Lokomotive steht heute noch auf dem Betriebsgelände. 1988 wurde der Betrieb an die Fernwärmeleitung des Kraftwerkes Jänschwalde angeschlossen. /4/

Am 01.07.1990 wurde der Betrieb in eine GmbH umgewandelt. /4/

Am 16.09.1990 meldete Karl Jürgen FRANCKE aus Altenburg bei der Treuhandgesellschaft Cottbus einen Besitzanspruch bezüglich den Lausitzer Wollwerken an. Daraufhin erfolgte von 1991 bis 1992 eine Rückübertragung der Firma und des Georgenhofes an eine Erbengemeinschaft mit dem Komplementär Karl Jürgen FRANCKE. Der neue Firmenname lautet "Lausitzer Wollwerke Francke und Co. KG" Der Georgenhof wird für Wohnzwecke saniert und vermietet. Bis 1997 entstanden hier 27 Wohnungen. Sämtliche Maschinen wurden verschrottet. Die ehemaligen Produktionsgebäude wurden mit 10 ABM-Kräften saniert. Der Betriebszweck wurde umgewandelt in einen Sortierbetrieb mit Werksverkauf von SecondHand-Ware und in die gewerbliche Vermietung sowie Hausverwaltung der Gebäude. Der Sortierbetrieb der Lausitzer Wollwerke Francke und Co. KG wurde am 28.02.2010 eingestellt. Es entstand ein Industriepark, der heute noch genutzt wird. /4/