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Cottbuser Straße 2-3, SCHULZE/ BUCHHOLZ

Anschrift (heute):
Cottbuser Straße 2-3
Flurstück (heute):
Gemarkung Peitz, Flur 7, Flurstück 428/3 (13981.3 m²)
Kurzbezeichnung:
SCHULZE/ BUCHHOLZ
Gründung:
1856
Firmengründer:
Carl SCHULZE
Produktionsprofil:
Textilfabrik
Umfirmierungen:
um 1875 Textilfabrik Emanuel BUCHHOLZ (1826-1893)
1894 Textilfabrik Gottfried u. Karl BUCHHOLZ
1900 Trikot- u. Samtschneiderei (Dresdner Bank)
1920 Faserwerk GmbH (Typha-Verwertungsanstalt Berlin)
1922 Velourhutfabrik
1933 Reichsarbeitsdienst, Arbeitsgau Ostmark, Gruppe Cottbus
1937 Chemische Fabrik u. Apparatebau Carl u. Hans RASPE
1945 Tabaklager
1950 Produktion von Schilfmatten
Metallverarbeitungswerk der Stadt Peitz
1956 VEB (K) Nagel- und Matrazenwerk Peitz
danach Möbelhandel
Niedergang:
02/1900 Textilfabrik Buchholz
um 1918 Faserwerk
1924 Velourhutfabrikation
1945 Chemie- u. Vulkanisierfabrik Raspe
heutige Nutzung:
nach langen Leerstand abgerissen in 2018-2019, geplante Neubebauung mit Einkaufsmärkten
 
Lagebild_2

Beschreibung/Erläuterungen:

Vor 1850 sondert sich eine kleine Gruppe vermögender Tuchmacher vom Peitzer Gewerk ab und errichtet erste Fabriken mit modernen Maschinen. 1828 in Ottendorf Theodor BERGER, 1835 in der Nähe der Malzhausbastei Ferdinand STÖHR und 1837 Traugott GRÜNDER jun., 1847 in der Cottbuser Vorstadt gegenüber vom Friedhof Julius SCHULZE und nach dem Bau der Chaussee Cottbus-Guben (1848) Emanuel BUCHHOLZ jun. in der Cottbuser Straße 2 sowie 1869 Carl BOYDE in der Schulstraße 8. SCHULZE, GRÜNDER und BERGER setzten bereits 1853 Dampfkraft ein. /1/ S. 96

Im Dezember 1857 bewerben sich 9 Tuchmacher um die Pacht des Peitzer Hüttenwerkes. Einer davon war Emanuel BUCHHOLZ. Zu diesem Zeitpunkt besitzt er 12 Webstühle sowie Äcker und Wiesen von zusammen 43 Morgen und 129 Quadratruten (111618 m²), die teilweise 1 Stunde von Peitz entfernt liegen. Der in /17/ enthaltene Auszug aus der Klassensteuerrolle vom 20.12.1857 enthält noch weitere steuerliche Angaben zu den 9 Bewerbern.

1894 stirbt der Peitzer Fabrikbesitzer Emanuel BUCHHOLZ. Seinen Erben gelingt es nicht, die Produktion von weit über 100.000 Stück Tuch zu halten. /1/ S. 101 Im Februar 1900 erfolgt die Konkursmeldung. Die Samtschneiderei läuft noch bis zum Jahr 1914 weiter. Unter dem Zwang auf eigene Rohstoffe angewiesen zu sein, verarbeitet man bis Kriegsende die Rogoschstengel der Teiche zu groben Werg. Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Gebäude erneuert und eine Velourhutfabrikation begonnen. 1924 wird diese schon wieder eingestellt. /20/ S. 87 ff.

Cottbuser Straße, Quelle: diese Webseite

Das Fabrikgebäude dient um 1935 Jahren kurz als Reichsarbeitsdienstlager. Dieses Lager wird in die Triftstraße umgesetzt. 1936 wird auf dem Gelände der Chemie- und Vulkanisierbetrieb RASPE gegründet. Dieser stellte Kraftstofftanks aus Gummi für Militärflugzeuge her, die bei Beschuss sich wieder weitestgehend abdichten. /2/ S. 304

Nach 1945 werden Gebäude um- bzw. neu gebaut und für den Möbelhandel genutzt. Der SGB (Sozialistischer Großhandelsbetrieb) Möbel Cottbus unterhält hier seinen größten Betriebsteil. Mit Peitz und drei weiteren Betriebsteilen in Großräschen, Finsterwalde und Herzberg wurde die komplette Möbelversorgung des früheren DDR-Bezirkes Cottbus abgesichert. Am Standort Peitz befanden sich 2 Lagerhallen für Schlaf- und eine Lagerhalle für Wohnraummöbel. Zum Betriebsteil Peitz gehörten ebenfalls ein Küchenmöbellager in Forst und ein Polstermöbel- und Kleinmöbellager in Cottbus.

Cottbuser Straße, Quelle: diese Webseite Cottbuser Straße, Quelle: diese Webseite

1984 gliederte der volkseigene Einzelhandel (HO) den Handel mit Möbeln aus seinem Versorgungsumfang aus. Diese Aufgabe wurde nebst Übernahme von Möbelhandelsverkaufsobjekten den SGB Betrieben übertragen, die infolge der erweiterten Versorgungsaufgaben in SHB (Sozialistischer Handelsbetrieb) umstrukturiert und umbenannt wurden.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Unternehmensbezeichnung in Merkur Möbel Vertrieb GmbH, Betriebsteil Peitz, geändert. Die 3 Lagerhallen in Peitz werden am 01.04.1991 an die Regent Möbel Grosseinkauf GmbH in Gelsenkirchen verkauft. Diese richtet in der ehemals vorderen Lagerhalle für Schlafraummöbel einen "Quick-Möbelmarkt" (Verkauf preiswerter Mitnahmemöbel) ein und sichert zudem über Peitz die Möbelversorgung von bei Regent Möbel gelisteten Einzelhandelsverkaufsstellen im gesamten ehemaligen DDR-Territorium ab.

Am 30.06.1993 gibt Regent Möbel den Standort Peitz auf. Das Kölner Möbelunternehmen Ullrich übernimmt und betreibt bis Anfang 2018 einen Möbelhandel unter der bisherigen Bezeichnung Merkur-Möbel Peitz.

verschiedene Briefkopfbögen des Möbelhandels, Quelle: diese Webseite

Seit Anfang 2018 stehen die Gebäude leer. Es ist vorgesehen, diese abzureißen und mit neuen Handelseinrichtungen (Baumarkt, Lebensmittelmarkt) zu bebauen.