Weberschiffchen

Geschichtliches

1700

Das Weben von Stoffen ist so alt wie die Menschheitsgeschichte und auch in Peitz gab es sicherlich seit den Anfängen einige Weber. Als Beginn einer größeren Manufaktur in Peitz kann der Erlass eines Edikts am 30. August 1770 gelten. Der preußische König Friedrich der Große regelte hier die Ansiedlung von 24 sächsischen Tuchmacherfamilien und eines erfahrenen Tuchbereiters in Peitz. Der Zuzug wurde begünstigt durch folgende Zusagen:

Im Königreich Preußen fanden zu dieser Zeit mehrere derartiger Ansiedlungen statt. Ähnliches fand zum Beispiel in Kloster Zinna bei Jüterbog statt. Bereits Friedrich Wilhelm I. förderte solche Ansiedlungen wie z.B im nahegelegen Cottbus. Peitz war da aber noch eine Festungsstadt und in seiner wirtschaftlichen Entwicklung gehemmt.

Noch im Jahr 1770 zogen nach GROGER /1/ 24 und nach KUBLICK /19/ 29 Tuchmachermeister mit ihren Familien und ein Tuchscherer (rund 100 Personen) nach Peitz. Sie kamen in den ehemaligen Soldatenbuden am Wall zwischen Lieberoser Tor und Festungsturm unter. 7 Wohnungen waren im früheren Amtsmagazin und 3 auf der Oberfestung geschaffen wurden. /19/ S. 71 Nach /1/ S. 45-46 und /19/ S. 130-131 waren dies:

  1. Johann Gottfried (Gottlob) SCHREBLER (SCHROEBLER), "Anführer" der ersten Ansiedler aus Forst (Sachsen)
  2. Christian Philipp SCHREBLER (SCHROEBLER), Sohn von oben
  3. Johann Daniel FERREIN, Tuchbereiter
  4. Friedrich GRIMM aus Spremberg (Sachsen)
  5. Gottfried (Gottlob) STANGE aus Spremberg (Sachsen)
  6. Christian Gottlieb (Gottlob) HOFFMANN aus Spremberg (Sachsen)
  7. Gottlob (Gottlieb) REMPEL aus Sachsen
  8. Emanuel (Immanuel) REMPEL aus Sachsen
  9. Johann Gottlieb BUCHHOLZ (BUCHHOLTZ) aus Spremberg
  10. Christian Friedrich SCHWANHÄUSER aus Sachsen
  11. Johann August POHLE aus Spremberg
  12. Gottlieb FEHRE
  13. Ephraim HANISCH aus Forst (Sachsen)
  14. Johann Christian STIEGEL
  15. Joh. Christian SCHÜLER aus Sachsen
  16. Christian Ernst WEINERT aus Forst (Sachsen)
  17. Christoph HERRENDORFF (HERRNDORFF) aus Guben
  18. Johann Gottfried (Gotthelf) LAUBISCH aus Görlitz (Sachsen)
  19. Christian Gottfried SPAHN aus Sachsen
  20. Carl Gottfried GRUPE aus Sachsen
  21. Jonas SCHMIDT aus Guben (Sachsen)
  22. August FRANKE aus Spremberg (sachsen)
  23. Joh. Erdmann EHRLICH aus Spremberg (Sachsen)
  24. Christian GRÄBERT aus Muskau, der bald verstarb und für den
  25. Samuel Gottlob (Joh. Gottlieb) GRÜNDER aus Görlitz (Sachsen)nachfolgte.
  26. Joh. Christian NIGIN aus Sachsen
  27. Gottlob ENDE aus Görlitz (Sachsen)
  28. Maria HOFFMANN aus Bojanowo (Polen)
  29. Anna Maria CONRADin aus Eutrich (Sachsen)
  30. Dorothea JACOBin und Sophia FABIAN aus Goldbach und Bautzen
  31. Gottfried SCHUSTER aus Bernstadt bei Zittau
  32. Ehrenfried KROCKER aus Meffersdorf
  33. Witwe(n) SCHMIEDin und WENZEL aus Zittau und Christianstadt
  34. Johann HORSCH aus Hennersdorf
  35. Samuel CUNDIUS aus Marienberg bei Dresden
  36. Witwe PIETSCHEL aus Pirna
  37. Marie WINCKLER aus Pirna
  38. Maria MÜLLER und Elisabeth ENLICHEN aus Reichenau bei Zittau und Nossen bei Dresden
  39. Matthes KRAMER aus Schönfeld bei Leipzig
Festungsweg, Quelle: diese Webseite
Festungsweg Peitz (hervorgehoben) an dem sich die Tuchmacher zuerst ansiedelten. Am nördlichen Ende des Festungsweges befand sich das Lieberoser Tor und am südlichen die Zitadelle mit dem Festungsturm (Wollmagazin).

Die Tuchfabrikation in Peitz stockte jedoch, da den Tuchmachern die Wolle fehlte und der Bau einer Walke zunächst nicht stattfand. Die alteingesessene Bevölkerung mißtraute den "Ausländern". Die Tuchmacherfamilien verarmten und einige wie GRUPE, FRANKE und EHRLICH flüchteten zurück nach Sachsen in die Städte Forst, Guben und Spremberg. /1/ S. 45-46

Am 31.08.1773 tritt der Cottbuser Kommerzienrat Christian Ludwig LIERSCH als Händler für die Peitzer Tuchmacherfamilen ein. Er beschafft ihnen den Rohstoff Wolle und verkauft ihre daraus hergestellten Produkte. Die Verhandlungen mit LIERSCH führte der Kriegsrat KRUSEMARK. Man einigte sich auf eine einmalige Entlohnung von 900 Talern, 100 Taler mehr, als im Edikt von 1770 zugesichert waren. Der Vertrag wird über eine Laufzeit von 8 Jahren abgeschlossen. Das Peitzer Wollmagazin soll im großen Gewölbe des Festungsturmes, wo auch die Ratswaage stand, eingerichtet werden. /1/ S. 46 ff.

Die Peitzer Tuchmacher richten im November 1773 ein Gesuch an den König. Darin bitten sie um einen Vorschuß von 400 Talern, um bessere Wohnungen, um die Errichtung einer Walkmühle in Peitz und um einen "Kinderzuschuss". Daraufhin wird die Neumärkische Kammer angewiesen, den Vertrag mit LIERSCH hinsichtlich der Verzinsung zu prüfen. Der innere Wallgraben zur Oberfestung mit dem dort befindlichen Wollmagazin und den Tuchmacherhäusern wird völlig zugeschüttet. Gleichzeitig baut Maurermeister RICHTER das alte Wachthaus an der Malxe vor dem Cottbuser Tor zu einem brauchbaren Färbehaus aus. /1/ S. 49-50 Im Jahr 1776 erbaut der Mühlenmeister HOEHLE am Hammerstrom unweit des Hüttenwerkes eine Öl- und Walkmühle. Damit hatten die Peitzer Tuchmacher eine Walkmühle vor Ort und mussten nicht mehr nach Cottbus fahren. /1/ S. 56. Von diesem Mühlenstandort zeugen heute noch die beiden Walketeiche am Hammergraben südlich des Hüttenwerkes.

Anfang 1777 schließen sich die Peitzer Tuchmacher zu einem Gewerk zusammen. Ernst WEINERT wird als Oberältester und Gottlob GRÜNDER als Nebenältester gewählt. Die Tuchmacherinnung Peitz stand damit auf eigenen Füßen. Die Abhängigkeit zu Kommerzienrat LIERSCH verringerte sich. Daraufhin kündigt am 23.08.1780 Kommerzienrat LIERSCH seinen Vertrag bezüglich der Peitzer Tuchmacher zu Ende August 1781. Kündigungsgrund ist der eigenmächtige Einkauf von Wolle durch die Innungsmeister WEINERT und GRÜNDER. Die Kammer nimmt die Kündigung an, was LIERSCH nicht erwartet hatte. Der Einkaufspreis der nötigen Wolle für ein Stück Tuch lag bei 9 Reichstalern, 21 Groschen und 3 891/918 Pfennigen. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag bei 18-19 Reichstalern. Der Gewinn lag damit bei einträglichen 80-90 %. Peitz produzierte von 1774-1780 1.864 Stück Tuch. Davon allein in den Jahren 1779-1780 910 Stück. Für Peitz war das Tuchmacherhandwerk damit ein wichtiger und einträglicher Wirtschaftsfaktor. /1/ S. 58-60

Am 31.05.1781 findet im Rathaus Peitz eine große Beratung zum Tuchmachergewerk statt. Von den ehemals angesiedelten Tuchmachern sind nur noch 15 am Ort. 4 sind heimlich geflüchtet, einer (SPAHN) ist Soldat geworden und 3 (Vater SCHREBLER, FEHR, GREBERT) sind gestorben. Es gibt aber auch neu hinzugezogene Tuchmacher bzw. Kinder der Tuchmacher, die sich selbständig gemacht haben. Folgende Familien betrieben noch das Tuchmacherhandwerk:

  1. Johann Gottfried SCHREBLER
  2. Gottlob REMPEL
  3. Johann Gottlob BUCHHOLZ
  4. Johann Gottlob GRÜNDER
  5. Ephraim HANISCH
  6. Ernst WEINERT
  7. Gottfried STANGE
  8. Gottlob HOFFMANN
  9. Johann Gottfried LAUBISCH
  10. Emanuel REMPEL
  11. Christoph HERRENDORF
  12. August POHLE
  13. Witwe GRIMM
  14. Christian SCHWANHÄUSER
  15. Christian SCHÜLER
  16. Christian Gottlob STANGE
  17. Johann Adam HECKSTEIN
  18. Christian Heinrich RÜDE
  19. Daniel Gottfried RÜFFER
  20. Johann Friedrich KOEHLER
  21. Johann Gotthilf STANGE
  22. Johann August HOFFMANN
  23. Michael BRAUN
  24. Johann Gotthilf MEYER

Die Quelle enthält auch detaillierte Angaben zum Besitz und zur Produktionsmenge der Tuchmacherfamilien. /1/ S. 63-70

08/1781: Kurz vor dem Auslaufen des Vertrages mit LIERSCH als Wollverleger der Peitzer Tuchmacher organisiert der Peitzer Bürgermeister BEREIN auf eigene Kosten das Wollmagazin im Festungsturm. Dies war notwendig, da der Kriegsrat KRUSEMARK seit der großen Beratung am 31.05.1781 nichts unternommen hatte. BEREIN borgt sich Geld und kauft Wolle ein, damit die Tuchproduktion nach dem August 1781 in Peitz weiter gehen kann. Seine Auslagen erhält BEREIN in den Folgejahren allmählich zurück. Der letzte Wechsel wird jedoch erst im Jahr 1792 eingelöst. /1/ S. 73-76

1786 arbeiten 30 Peitzer Familien in der Tuchhandwerk. /19/ S. 72

Die 10 Peitzer Tuchmacher, die noch in den ehemaligen Soldatenbuden wohnen und der Bürgermeister BEREIN machen am 28.02.1787 eine Eingabe bezüglich der schlechten Wohnverhältnisse. Die Fußböden sind teilweise kaputt, die Öfen drohen einzufallen und die Dächer sind undicht. Die 10 Tuchmacher bieten an, die Reparaturen auf eigene Kosten vornehmen zu lassen, wenn sie die Häuser in Erbpacht erhielten. Dem wird im Herbst stattgegeben. Der Erbkanon beträgt vierteljährlich 18 Groschen. /1/ S. 77-78

1788 gab es in Peitz 50 Tuchmacher. Die Jahresproduktion lag bei 1.700...1.800 Stück. Weiterhin gab es 4 Tuchscherer in der Stadt. /1/ S. 76

1797 gab es in Peitz 52 Tuchmacher, die bis zum Herbst 1.741 Stück Tuch mit einem Verkaufswert von 42.799 Talern hergestellt und umgesetzt hatten. /1/ S. 78 und /19/ S. 72

1800

Am 09.10.1826 wird in Peitz eine Walkerkorporation innerhalb des Tuchmachergewerks gegründet. Eine Art Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung. Die von 78 Meistern aufgestellte Satzung wird am 02.11.1826 durch die Frankfurter Regierung bestätigt. Die bisherige Peitzer Walke am Hammergraben, südlich des Eisenhüttenwerkes wird aufgekauft und modernisiert. Der erste Walkmüller ist Meister STUMPFF, der 1.000 Taler zur Modernisierung vorgeschossen hatte. Vom Domänenfiskus wird weiterhin ein 19 Quadratruten großes Grundstück an der Malxe erworben. Darauf wird ein Färbehaus gebaut. /1/ S. 82-83

Der Mechaniker BERGER aus Forst legt im Sommer 1827 der Frankfurter Regierung einen Plan für eine mechanische Spinnerei vor. Die Behörden stimmen diesem Plan zu. Die mechanische Spinnerei soll "unterhalb Peitz an dem sogenannten Walk- oder Oehlmühlgraben, da wo derselbe in die Malxe mündet" entstehen. Nach Bekanntmachung des Vorhabens durch den Landrat im Amtsblatt der Regierung, der Vossischen Zeitung und im Cottbuser Wochenblatt, gibt es viele Proteste. Diese Proteste kommen vom Oberbergamt Berlin, dem Peitzer Hüttenamt, dem Oberamtmann ROEMELT, den Peitzer Wollspinnern und den Ottendorfer Kolonisten. Man befürchtet u.a. Schäden am Hammerwerk und Überschwemmungen. Daraufhin wird der geplante Standort verlegt. Neuer Standort ist die Abzweigung des Grabens vom Hammerstrom. Die mechanische Spinnerei wird gebaut und ging wahrscheinlich im Frühjahr 1828 in Betrieb. /1/ S. 88-89 Momentan ist dies der erste bekannte industrielle Tuchmacherstandort in Peitz, dem noch weitere folgten.

Siegel des Tuchmachergewerks zu Peitz 1828, Quelle: diese Webseite
Das Siegel des Tuchmachergewerks zu Peitz von 1828 ist heute noch erhalten und befindet sich in Privatbesitz. Es zeigt 2 gekreuzte Tuchscheren und 2 Kardierbürsten, die sich darüber und darunter befinden. Seitlich sind 2 Löwen und oben eine Krone angebracht. Ein Symbol für das königliche Brandenburg.

Am 06.02.1830 besteht das Tuchmachergewerk Peitz aus 82 Meistern. /1/ S. 87

Bei den Stadtverordnetenwahlen vom 18.-19.12.1831 wurden gleich mehrere Tuchmachermeister gewählt. Die Stadtverordneten des 1. Bezirks (Stadt Peitz ohne Vororte) waren /7/ S. 299:

  1. Friedrich ENDE, Hausbesitzer u. Tuchmachermeister
  2. Christian KEIL, Mietsbürger u. Tuchmachermeister
  3. Wilhelm STEMPEL, Hausbesitzer u. Apotheker
  4. Friedrich ZIMMERMANN, Hausbesitzer u. Kaufmann
  5. Gottfried WEISE, Mietsbürger u. Tuchmachermeister
  6. Karl CLAMANN, Hausbesitzer u. Tuchmachermeister
  7. Friedrich BRAUN, Hausbesitzer u. Tuchmachermeister

Zu Stellvertretern wurden gewählt /7/ S. 299-300:

  1. Karl BARTUSCH, Hausbesitzer u. Schuhmachermeister
  2. Emanuel KOPPE, Mietsbürger u. Tuchmachermeister
  3. Gottlob BUCHHOLZ, Hausbesitzer u. Tuchmachermeister
  4. Andreas RÜDE, Mietsbürger u. Tuchmachermeister
  5. Wilhelm HASSE, Mietsbürger u. Apotheker
  6. Karl GLETTE, Hausbesitzer u. Böttchermeister
  7. Emanuel PLENZ, Hausbesitzer u. Tuchmachermeister

Dieses Wahlergebnis zeigt, wie bestimmend die Tuchmacher damals in der Stadt Peitz waren. Von den insgesamt 14 gewählten Vertretern im Stadtparlament hatten 9 (64 %) einen Bezug zur Tuchfabrikation. Friedrich ENDE wurde zudem von den Stadtverordneten zum Vorsitzenden gewählt. /7/ S. 300

Weitere Funktionen hatten der Tuchfabrikant EYDIENER als Beigeordneter und der Färbermeister WUßLAUGK als Senator. /7/ S. 301

Im Amtsblatt der Königlich Preußischen Regierung zu Frankfurt/Oder wird am 27.01.1843 bekannt gemacht, dass die Tuchfabrikanten GRÜNDER, RUNDORF, BOYDE, LEHMANN, BEREIN und STÖLZEL zu Peitz beabsichtigen, bei dem sogenannten Sandberge daselbst an einem neu anzulegenden Graben, der das Wasser unterhalb des Königl. Eisenhüttenwerkes aus dem Hammerstrom aufnehmen und bei Peitz vor der Färberei in den Malxfluss einmünden soll, eine Wollspinnerei anzulegen. Der Wandel von der Manufaktur zur Industrie setzt sich weiter fort.

Vor 1850 sondert sich eine kleine Gruppe vermögender Tuchmacher vom Peitzer Gewerk ab und errichtet erste Fabriken an der Landstraße nach Guben, in der Cottbuser Vorstadt und in Ottendorf. Es kommen Dampfmaschinen und moderne Maschinen zum Einsatz. Zu dieser Gruppe gehören u.a. Traugott GRÜNDER, Theodor BERGER, Emanuel BUCHHOLZ, SCHULZE, STÖHR und Carl BOYDE. /1/ S. 96 /17/

Ab dem 01.03.1858 wurde das Eisenhüttenwerk Peitz für 20 Jahre verpachtet. Pächter waren Georg BERGER zu Georgenhof und seine beiden Söhne Moritz BERGER, Tuchfabrikant und Heinrich Georg BERGER, Besitzer der Maustmühle. Die Pachtsumme betrug 3021 Taler/Jahr. Die mitbietenden 9 Tuchmachermeister:

  1. Carl LOHR
  2. Gottlob LEHMANN
  3. Carl BOYDE
  4. Fr. RÜGER
  5. E. BUCHHOLZ
  6. Carl GRAF
  7. Gottlob BRAMKE
  8. Christian STÖLZEL und
  9. Julius GLETTE

gingen leer aus. Sie behielten aber wahrscheinlich die Pacht der Tuchwalke an der Cottbuser Straße (alte Dammzollstraße). Die Gießerei und die Stabeisenproduktion wurden durch BERGER & Söhne in geringerem Umfang fortgeführt. Einige Hütten-Gebäude wurden umgebaut und für die Tuchproduktion genutzt. /8/ S. 117-118

Im Jahr 1861 wurde der Hochofenbetrieb im Eisenhüttenwerk Peitz durch BERGER & Söhne endgültig eingestellt. Hammer und Schachtofen liefen bisher als Nebebetrieb. Die Tuchfabrik stellte spätestens ab 1861 den Hauptbetrieb dar. Das Schmiedewerk (Hammer) und der Kupolofen zum Umschmelzen von Roheisen liefen noch einige Jahre weiter. /8/ S. 120

1885 gibt es in Peitz 11 Tuchfabrikanten, die in 8 Fabriken insgesamt 820 Arbeiter beschäftigen. Die Jahresproduktion beträgt 20.000 Stück Tuch im Wert von 3 Millionen Mark. Es zeigen sich erste Absatzschwierigkeiten. In den Folgejahren geht die Produktion zurück, bis nur noch 3 Betriebe übrigbleiben. /1/ S. 100-101

1889 wird der Betrieb der Walkmühle des Peitzer Tuchmachergewerkes am Hammergraben südlich des Eisenhüttenwerkes eingestellt. Die Dampfmaschine und der Kessel werden für 1.700 M an den aus Ückermünde zugezogenen Mühlenbesitzer DAEHN verkauft. /1/ S. 84

Am 01.03.1892 empfiehlt eine außerordentliche Generalversammlung des Tuchmachergewerks im Rathaus Peitz die Liquidierung der Innung wegen Überschuldung. An der Generalversammlung nehmen teil:

1895 wird das Grundstück der Walkmühle des Peitzer Tuchmachergewerkes am Hammergraben südlich des Eisenhüttenwerkes für 6.000 M an den Domänenfiskus verkauft. Es wird wieder mit dem Hüttenwerk vereinigt. /1/ S. 84

Am 04.05.1896 findet im Schützenhaus Peitz die letzte Innungsversammlung der Tuchmacher statt. Das Tuchmachergewerk Peitz wird einstimmig aufgelöst. Es gibt kein Vermögen mehr und alle Verbindlichkeiten wurden beglichen. Die Gründung Friedrichs des Großen endet damit nach 125 Jahren, nachdem sie schon seit einiger Zeit ein Scheindasein geführt hatte. /1/ S. 99-100

Siegel des Tuchmachergewerks zu Peitz 1828, Quelle: diese Webseite
Das Siegel des Tuchmachergewerks zu Peitz von 1828.

1900

Die industrieelle Tuchfertigung existiert in Peitz noch 100 Jahre weiter. Bis 1903 produziert die Textilfabrik BUCHHOLZ in der Cottbuser Straße. Danach steht die Textilfabrik längere Zeit leer, bis 1936 der Chemie- und Vulkanisierbetrieb RASPE das Gelände übernimmt und vor allem gummierte Flugzeugtanks herstellt. Bis 1911 produziert noch die Tuchfabrik in der Dammzollstraße 52. Danach zieht dort eine Filz- und Lederschuhfabrik ein. Im Plantagenweg 3 produziert die Spinnerei von GRÜNDER, später MARX noch bis 1955. Danach werden Teppiche bis 1991 hergestellt. Im Jahr 1990 stellt die ehemalige Firma BOYDE/REHN in der Schulstraße 6-8 als letzte Weberei die Produktion ein. Die Lausitzer Wollwerke existieren noch bis 1991 und stellen vor allem Reißwolle her. Dieser Standort ist gewissermaßen der letzte, der heute noch industriell genutzt wird. Hier befindet sich ein Industriepark. Eine Reißwollproduktion gibt es aber nicht mehr.

Details zu den einzelnen Tuchmacherstandorten und ihrer Weiternutzung beim Übergang zur industriellen Fertigung sind in deren Beschreibung zu finden.